Die Abnahme des Hormons Östrogen mit der Menopause verursacht nicht nur Beschwerden wie Hitzewallungen; sie beeinträchtigt auch die Gewebe des Harntrakts und des Genitalbereichs. Die Gesamtheit dieser Veränderungen wird als genitourinäres Syndrom bezeichnet. Häufiges Wasserlassen, Brennen, Harndrang, wiederkehrende Infektionen und lokale Trockenheit sind in dieser Phase häufig.
Warum beeinträchtigt die Menopause den Harntrakt?
Die Blase, der Harnkanal (Harnröhre) und die Vaginalgewebe sind östrogenempfindlich. Wenn das Östrogen in der Menopause abnimmt, verdünnen sich diese Gewebe, verlieren ihre Elastizität und ihr Abwehrgleichgewicht verändert sich. Infolgedessen wird der Harntrakt offener für Infektionen und Reizungen.
Welche Symptome gibt es?
- Häufiges Wasserlassen und ein plötzlicher, nicht aufschiebbarer Harndrang
- Brennen oder Unbehagen beim Wasserlassen
- Wiederkehrende Harnwegsinfekte
- Lokale Trockenheit, Reizung oder Unbehagen beim Geschlechtsverkehr
- Eine Zunahme der Harninkontinenz bei manchen Frauen
Auch wenn diese Beschwerden häufig sind, sind sie nicht „normal" oder unvermeidlich. Mit dem richtigen Ansatz fühlen sich die meisten Frauen deutlich besser.
Zusammenhang mit wiederkehrenden Infektionen
Die Abnahme des Östrogens nach der Menopause ist eine der häufigsten Ursachen für wiederkehrende Harnwegsinfekte. Deshalb ist es wichtig, diesen Zustand bei Frauen in der Menopause abzuklären, die häufig Infektionen haben.
Wie wird sie diagnostiziert?
Die Diagnose erfolgt anhand der Beschwerden, der Untersuchung und eines Urintests. Ziel ist es zu unterscheiden, ob die Beschwerden auf das genitourinäre Syndrom oder eine andere Ursache (Infektion, überaktive Blase, Steine) zurückgehen.
Behandlungsmöglichkeiten
- Lokales (vaginales) Östrogen: Bei geeigneten Frauen ist niedrig dosiertes lokales Östrogen wirksam, um Beschwerden und wiederkehrende Infektionen zu verringern, indem es die Gewebe stärkt.
- Feuchtigkeitsmittel und Lebensstil: Lokale Feuchtigkeitsmittel, ausreichend Flüssigkeit und die Regulierung der Harngewohnheiten.
- Behandlungen für Blasenbeschwerden: Bei Harndrang und Inkontinenz Blasentraining, Beckenbodenübungen und bei Bedarf Medikamente.
Die Behandlung wird individuell geplant; besonders hormonhaltige Ansätze werden nach Beurteilung der persönlichen Vorgeschichte gewählt.
Wann sollten Sie zum Arzt?
Suchen Sie einen Urologen auf, wenn Sie in der Menopause anhaltende Harnbeschwerden, häufig wiederkehrende Infektionen oder Harninkontinenz haben. Wenn Blut im Urin oder Schmerzen sie begleiten, hat die Abklärung Vorrang.